Das Dorf nach vorne bringen und regenerativ versorgen
Nahwärmenetz in Schwabsoien und Schwabbruck
In Schwabsoien und der Nachbargemeinde Schwabbruck sind mittlerweile rund 120 Haushalte an das gemeinsame Nahwärmenetz angeschlossen. Das Projekt gilt als Beispiel dafür, wie die Wärmewende im ländlichen Raum gemeinschaftlich umgesetzt werden kann. Die Initiative für die Dorfenergie Schwabsoien GmbH entstand direkt aus der Bürgerschaft.
„Ich habe bereits seit 2015 ein Wärmenetz in der Nachbargemeinde Hohenfurch und weitere Netze in Steingaden und Lechbruck geplant bzw. umgesetzt“, erklärt Herbert Hefele. Der Technische Betriebswirt plant und baut als selbstständiger Unternehmer unter anderem Wärme- und Glasfasernetze. Als gebürtiger Schwabsoier verfolgt er gemeinsam mit Markus Eirenschmalz das Ziel, Schwabsoien mit regenerativer Wärme zu versorgen.
Die ersten Gespräche fanden im Frühjahr 2021 statt, die Gemeinde unterstützte das Vorhaben von Beginn an. Schwabsoien und Schwabbruck sind zwei der 14 Mitgliedsgemeinden der Integrierten Ländlichen Entwicklung Auerbergland, bei der die Energiewende ein eigenes Handlungsfeld ist. Unterstützung erhielt die Initiative unter anderem bei Bürgerbefragungen, Fördermitteln und Notarverträgen durch die Energiewende Oberland, einer Bürgerstiftung in der Region.
Wärmenetz Schwabsoien: Versorgung mit regionaler Energie
Ende 2021 musste der Gemeinderat aus rechtlichen und finanziellen Gründen aus dem Projekt aussteigen. „Wir wollten die Gemeinde als Gesellschafter aufnehmen, aber durch viel Bürokratie ist dies fast nicht möglich“, so Hefele. Unterstützt wurde das Projekt dennoch weiterhin. Im Januar 2022 wurde die Gesellschaft gegründet, noch im selben Jahr begann der Bau des Wärmenetzes.
Zusätzlich zur Wärmeleitung wurden Leerrohre zur Übermittlung der Daten mittels Glasfaser eingebaut, um die Gemeinde gleichzeitig digital zukunftsfähig aufzustellen. Die Wärme liefert die ansässige Firma Eirenschmalz. Gespeist wird das Wärmenetz mit der Abwärme aus fünf Holzvergaser-Blockheizkraftwerken (350 kW elektrische und 725 kW thermische Leistung), dabei dienen drei Hackschnitzelkessel als Redundanz. Ergänzt wird die Anlage durch drei Hackschnitzelkessel mit insgesamt 1.700 kW Leistung, die die Wärmeversorgung absichern. „Die Firma Eirenschmalz kümmert sich außerdem unter anderem um die Übergabestation und den Lagerplatz für die Hackschnitzel“, so Hefele.
Für die Wärmeversorgung werden Restholz und Einwegpaletten aus der Region genutzt. Ein Pufferspeicher mit 1.000 Kubikmetern Volumen sorgt zusätzlich für Versorgungssicherheit und kann die Wärmeversorgung im Störungsfall bis zu fünf Tage aufrechterhalten.
Ausbau des Wärmenetzes bis nach Schwabbruck
Im August 2023 waren bereits 45 Haushalte in Schwabsoien an das rund 3,2 Kilometer lange Wärmenetz angeschlossen, auch der gemeindliche Kindergarten und das Rathaus erhielten einen Anschluss. Die Wärmeleitung wurde außerdem bis ins benachbarte Schwabbruck verlegt: „Dort hat das Netz eine Länge von etwa 2,3 Kilometer.“ Schneller als geplant wurden die Wärmeleitungen dorthin verlängert, auch das Sportheim in Schwabbruck wurde angeschlossen. Ende 2024 bezogen bereits über 120 Haushalte regenerative Wärme.
Erfolgsfaktoren für kommunale Wärmenetze im ländlichen Raum
Das Wärmenetz gilt als wichtiger Schritt für die Kommune in Richtung klimafreundliches Heizen in der Region. Herausforderungen waren vor allem der hohe regulatorische Aufwand und die Vorfinanzierung angesichts steigender Zinsen. Dennoch möchten alle Parteien vor Ort die Energiewende realisieren: „Mit beiden Gemeinden und dem Straßenbauamt war die Zusammenarbeit bislang stets konstruktiv.“ Ein weiterer Erfolgsfaktor war, dass die Gesellschafter selbst ständig vor Ort waren und teilweise Leitungen verlegt, oder Termine mit Eigentümern wahrgenommen haben.
„Die beauftragten Firmen, alle einheimisch oder umliegend, verdienen ein großes Lob“, schließt Hefele.