Transparenz für Verbraucher: Woher kommt mein Strom
"Es ist klar, wir brauchen mehr erneuerbare Energien, um die Klimaziele zu erreichen“, stellt Bürgermeister Andreas Jakob fest. Er ist 1. Bürgermeister von Ruhstorf a.d. Rott und als Vorsitzender der ILE für den Aufbau des regionalen Strommarkts verantwortlich. „Wir wollen es den Bürgerinnen und Bürgern der ILE ermöglichen, Strom dezentral von Erzeugern aus der Region zu beziehen“, so Jakob. Diese betreiben PV-, Biogas-, Windkraft- oder Wasserkraftanlagen und können Privatpersonen oder die Kommunen selbst sein. „Die Verbraucher sollen sehen können, wo ihr Strom erzeugt wird. So wird das Bewusstsein geschärft, dass auch Strom ein Regionalprodukt sein kann“, erklärt Jakob. Daneben kann den Anlagenbetreibenden eine Alternative geboten werden, wenn die EEG-Vergütung ausläuft: „Auf keinen Fall sollen bestehende Anlagen vom Netz gehen, weil Betreibende um ihre Finanzierung fürchten.“ Wie viel Energie aus welchen Quellen aktuell erzeugt und wo Strom verbraucht wird, sehen die Bürgerinnen un Bürger online im Energie-Monitor, welcher im 15-Minuten-Takt akutalisiert wird.
Organisation des regionalen Strommarkts
Die Organisation und Betreuung eines regionalen Strommarkts ist für eine Kommune in der Größenordnung von Ruhstorf mit rund 7.000 Einwohnern eine große Herausforderung. „Die Stromlieferung ist nicht unser Hauptgeschäft, und wir können auf keine Stadtwerke zurückgreifen“, erklärt Jakob. Im Raum stand deshalb die Gründung einer Genossenschaft oder die Kooperation mit einem Partner. Die ILE an Rott und Inn entschied sich für letzteres. Gemeinsam mit der Bayernwerk Regio Energie GmbH wurden die Einzelheiten zum Strommarkt geklärt. Im regionalen Strommarkt schließen Erzeugerinnen und Erzeuger einen Vertrag mit Bayernwerk als Stromkäufer ab und nehmen an der Direktvermarktung teil. Wer Regionalstrom beziehen will, wechselt den Stromtarif und kann online nachvollziehen, welche Anlagen gerade Strom liefern: „Bilanziell wird also Regionalstrom bezogen und es wird nachvollziehbar, wann welche Anlage Strom liefert."
Regionale Stromerzeugung in Ruhstorf: Solarpark und landwirtschaftliche Photovoltaik-Anlagen
Ein Großteil der Sonnenenergie stammt von einem Solarpark (1036 kW) im Ruhstorfer Ortsteil Hütting, der rund 395 Haushalte versorgen kann. Zusätzlich montierte ein ortsansässiger Landwirt PV-Module mit einer Leistung von 299 kW auf auf den Dächern seiner landwirtschaftlichen Gebäude und kann somit bis zu 106 weitere Haushalte versorgen. Wird gerade vor Ort nicht genügend Strom erzeugt, wird ergänzend Strom aus Wasserkraft zugekauft.
Start und Ausblick: Der erste regionale Strommarkt an Rott und Inn
Ein Kooperationsvertrag regelt die Aufgabenverteilung zwischen Bayernwerk und dem Markt Ruhstorf. Außerdem legt er den Umkreis der Gemeinden fest, die in den regionalen Strommarkt eingebunden werden. So ist es beispielsweise auch der Kommune Fürstenzell möglich, Solarstrom aus Ruhstorf zu beziehen. Nachdem die ersten Erzeuger gewonnen wurden, startete 2022 der erste regionale Strommarkt an Rott und Inn. Bürgermeister Jakob ist überzeugt, dass es langfristig nicht nur einen, sondern mehrere regionale Strommärkte mit unterschiedlichen Betreibermodellen geben wird – sei es als Genossenschaft oder in anderer Form. „Das Wichtigste ist doch, regionale Ressourcen zu nutzen und einfach mal anzufangen“, so Jakob.