Kommunale Verantwortung – alles aus einer Hand
Das kalte Nahwärmenetz wird vom Kommunalunternehmen Markt Schierling AdöR realisiert und bleibt auch nach Fertigstellung vollständig in kommunaler Hand. Das Kommunalunternehmen übernimmt die Betriebskosten wie Strom für die Wärmepumpe, Wartung, Reparatur, Ersatzbeschaffungen und Versicherungen - die Anschlussnehmenden erhalten damit ein Rundum-sorglos-Paket. Für den Anschluss inklusive Wärmepumpe fallen einmalig 29.400 Euro (brutto) an. Hinzu kommen ein monatlicher Grundpreis von 57,12 Euro sowie ein Arbeitspreis von derzeit 12,61 Cent je Kilowattstunde (kWh) für die tatsächlich genutzte Wärme und Warmwasserbereitung. Abgerechnet wird am Kondensator der Sole-Wasser-Wärmepumpe.
Kollektorfeld mit Mehrfachnutzen
Auf etwa 14.000 Quadratmetern wurden horizontale Erdwärmekollektoren und Leitungen in rund 1,5 Metern Tiefe verlegt. In den ungedämmten PE-Rohren zirkuliert ein Glykol-Wasser-Gemisch, das die Bodenwärme aufnimmt und über Umwälzpumpen zu den Gebäuden transportiert. Der Vorteil: Die PE-Rohre müssen nicht gedämmt werden und so nimmt sogar das Verteilnetz zusätzliche Wärme aus dem Boden auf.
Von drei geplanten Feldern ist bislang nur das Kollektorfeld 2 am östlichen Rand des Wohngebiets fertiggestellt, da dessen Leistung von rund 143.000 kWh – zusammen mit der prognostizierten „Ausbeute“ aus den Leitungen unter den Straßen bereits ausreicht, um die aktuell für einen Anschluss geplanten Gebäude versorgen zu können. Die PE-Rohre wurden im Kollektorfeld in einem Abstand von 30 Zentimetern verlegt. Markt Schierling beweist bei diesem Kollektorfeld besonders innovativen Vorzeigecharakter. Denn die Fläche dient gleichzeitig als Bolzplatz und wird im Starkregen- oder Hochwasserfall als Regenrückhaltebecken genutzt, um Gebäude und Infrastruktur zu schützen. Im Kollektorfeld 1 werden die Leitungen in einem Abstand von einem Meter eingepflügt.
An das kalte Nahwärmenetz angeschlossen sind neben den Einfamilienhäusern auch Mehrfamilienhäuser und innovative „Gartenhofhäuser“ als eine besondere Form der Reihenhausbebauung. Auch die benachbarte Kindertagesstätte „Bunte Au“ sowie die Technikzentrale profitieren von dem kalten Nahwärmenetz. Zudem ist das Netz so angelegt, dass es bei Bedarf flexibel erweitert werden kann. Bisher wurden 67 Grundstücke verkauft, mit allen Käufern wurde ein Wärmenutzungs- und Liefervertrag geschlossen – ein deutliches Signal für Vertrauen und hohe Akzeptanz in der Bürgerschaft. Bedenken gab es in der Kommune nur wenige.
Finanzierung und BEW-Förderung
Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf etwa 7 Millionen Euro. Über die „Bundesförderung für effiziente Wärmenetze“ (BEW) erfolgte ein Zuschuss von höchsten 2,76 Millionen Euro, was dem Förderhöchstsatz von 40 Prozent entspricht. Hierüber wurden so bspw. die Wärmepumpen, die Netzkosten, die Technikzentrale und die Agrothermiekollektoren bezuschusst.
Die Erfahrung aus Schierling zeigt: Auch kleinere, ländlich geprägte Kommunen können komplexe, klimafreundliche Infrastrukturprojekte wirtschaftlich stemmen, wenn Planung, Förderung und Organisation frühzeitig zusammengedacht werden.
Klimaschutz und Klimaanpassung in der Bauleitplanung mitdenken
Bereits im Dezember 2020 beschloss der Marktgemeinderat Schierling die „Leitlinien zur Entwicklung, Planung und Erschließung eines Wohngebietes in Schierling „Am Regensburger Weg 2“. Ziel ist, Klimaneutralität und Klimafolgenanpassung von Anfang an zu berücksichtigen, den Flächenverbrauch zu begrenzen und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.