Kommunale Gebäude im Fokus
Das Energie- und Umweltzentrum Allgäu (Eza!) ist Gesellschafter des Bündnisses und übernimmt die Bilanzierung der direkten (Scope 1) und indirekten Emissionen (Scope 2) aller Mitglieder. Freiwillig können auch weitere Emissionen entlang der Wertschöpfungskette (Scope 3) einbezogen werden. In Hergatz fließen Daten von Rathaus, Turnhalle und Grundschule in die Bilanz ein.
Hauptemissionsquelle: Wärmeerzeugung
Die Bilanz erfasst die CO2-Emissionen aus dem Wärme- und Stromverbrauch, Dienstfahrten, Arbeitswegen der Mitarbeitenden, Papier- sowie Wasser- und Abwasserverbrauch. Die Wärmeerzeugung hat demnach mit 72 % den größten Anteil an den Emissionen. Das Bündnis Klimaneutrales Allgäu legt zudem einen CO2-Absenkpfad bis 2030 von jährlich 10 % im Vergleich zum rückwirkend berechneten Referenzjahr 2019 fest. Hierfür berät die Agentur zu passgenauen emissionsreduzierenden Maßnahmen.
Maßnahmen senken Emissionen um fast 50 %
Die langfristige Bilanzierung zeigt klare Trends: Während 2020 die Corona-Pandemie zum Emissionsrückgang führte, sind die Einsparungen seit 2022 auf kommunale Maßnahmen zurückzuführen. Dazu zählen kleinere Schritte wie die Sensibilisierung der Mitarbeitenden zum sparsamen Verbrauch von Wasser, Strom, Papier und weiteren Ressourcen. Aber auch große Projekte wie die Installation von PV-Anlagen und die Optimierung der Einstellungen der Lüftungs- und Heiztechnik wurden durch die Bilanzierung angestoßen oder beschleunigt. Die Bilanz zeigt außerdem die Effektivität der Projekte auf. Insgesamt konnte der CO2-Ausstoß von 95 Tonnen im Jahr 2019 um ca. 45 % auf 52 Tonnen im Jahr 2024 reduziert werden, womit der Absenkpfad nahezu eingehalten werden konnte.
Herausforderung: Datenerhebung und Genauigkeit
Die erstmalige Datenerhebung durch die Gemeinde war aufwendig und erforderte zusätzlichen Arbeitsaufwand. So müssen die Verbrauchsdaten beispielsweise auf den Zeitraum eines Jahres bezogen werden, wenngleich Lieferungen wie Heizöl nicht im Jahresrhythmus stattfinden. Vorteilhaft zeigte sich hingegen die Eingrenzung der betrachteten Emissionsquellen. Beides führt jedoch zu Ungenauigkeiten in der Bilanzierung. Die individuelle Gestaltung des Bilanzierungsrahmens sieht Maximilian Liebgott, Berater bei der Eza!, als essentiell, um auch kleinere Kommunen für die Bilanzierung zu gewinnen. Eine nachträgliche Ausweitung der Bilanzierung sei dann jederzeit möglich, aber „jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt“.
Erfolgsfaktoren: Überzeugung und Einbindung
Bürgermeister Raab sieht den Erfolg von Bilanzierung und Maßnahmen vor allem in der breiten Unterstützung des Gemeinderats, was das Projekt „sehr positiv beeinflusst und vereinfacht“ hat. Erfolgsversprechend sei laut Eza!-Berater Liebgott auch die frühzeitige Einbindung der Verwaltung gewesen, um die Motivation der Beteiligten zu fördern und Herausforderungen in der Umsetzung frühzeitig zu erkennen.
Entscheidend für den Erfolg einer Bilanzierung sei jedoch der sichtbare Fortschritt durch jede kleine und große Maßnahme: „Die Bilanzierung dient auch der Motivation, jedes Jahr Maßnahmen umzusetzen, um den Absenkpfad einhalten zu können“, resümiert Raab. Unter pragmatischen Gesichtspunkten ist laut Liebgott „die langfristige Finanzierung von Kommunen das Fokusthema“. Entsprechend stellt die Beratung neben Klima- und Ressourcenschutz vor allem den langfristigen wirtschaftlichen Nutzen für Kommunen in den Vordergrund, da ein effizienterer Ressourceneinsatz den kommunalen Haushalt nachhaltig entlastet.
Wärmewende als nächster großer Schritt
In Hergatz steht ab Februar 2026 der Bau eines regenerativen Nahwärmenetzes an. Der Gebäudekomplex Rathaus-Turnhalle-Grundschule wird dann statt über eine Ölheizung durch Luft-Wärme-Pumpen beheizt, womit eine weitere deutliche Absenkung der Emissionen erzielt wird. Die kommenden Treibhausgasbilanzen werden weiterhin einen starken Abwärtstrend zeigen, da die Wärmeerzeugung aktuell noch für 72 % der CO2-Emissionen verantwortlich ist.
Verbleibende Emissionen ohne direkten Einfluss der Gemeinde, etwa durch die Anfahrt der Mitarbeitenden, könnten im letzten Schritt durch lokale Investitionen in beispielsweise zusätzliche PV-Anlagen ausgeglichen werden, welche an anderer Stelle CO2 einsparen.