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Aufbau einer genossenschaftlichen Wärmeversorgung als "Sprung ins kalte Wasser"

Nahwärmenetz mit Biogas-Abwärme in Burggrumbach

Heizzentrale mit Biogasanlage im Hintergrund
Die Abwärme von zwei Biogasanlagen versorgt die Mühläckersiedlung im Ortsteil Burggrumbach der Gemeinde Unterpleichfeld
© Nahwärme Burggrumbach eG
Fräse zum Verlegen der Wärmeleitungen Planzeichnung des Wärmenetzes mit zwei Biogasanlagen Aufgefräster Straßenbelag wird wieder verschlossen

Nahe der Mühläckersiedlung erzeugten zwei Biogasanlagen bereits im Jahr 2011 in drei Blockheizkraftwerken Strom. Die dabei entstehende Wärme entwich jedoch größtenteils ungenutzt in die Luft. Den Betreibern der Biogasanlagen kam deshalb die Idee, ein Nahwärmenetz zu errichten, das die benachbarte Siedlung mit der Abwärme versorgen sollte. Trotz relativ hoher Preise der angedachten Betreiberfirma fanden sich schnell knapp 20 Interessenten. „Da kam uns die Idee, das Wärmenetz selbst zu errichten und zu betreiben. Dazu wollten wir eine Genossenschaft gründen“, so Rudolf Lang, heute 1. Vorstand der Nahwärme Burggrumbach eG. Mit Unterstützung des Genossenschaftsverbands Bayern wurde im April 2012 die Genossenschaft mit zunächst 40 Mitgliedern gegründet. Bis Ende des Jahres wuchs die Mitgliederzahl auf 48 an. Im Folgejahr wurde schließlich das Wärmenetz und die Heizzentrale gebaut, sodass alle Genossenschaftsmitglieder angeschlossen werden konnten. Seit Oktober 2013 liefert das Netz nun sicher Wärme an inzwischen 51 angeschlossene Gebäude.

Wir würden es wieder machen

„Wir sind vor 10 Jahren mit dem Projekt ins kalte Wasser gesprungen“, erinnert sich Lang, „wir haben unsere Kontakte genutzt und konnten so die passenden Leute für Planung, Bau und Betrieb des Nahwärmenetzes finden.“ Lang ist von Anfang an dabei und hofft, damit einen Beitrag zur Bewältigung der Klimakrise zu leisten: „Wir vermeiden fossile Energieträger. Daneben stärken wir die regionale Wertschöpfung und wir können eine Vorbildfunktion haben.“ Vorbilder hatte sich auch Lang für die Umsetzung gesucht. Er hat sich online zu vielen anderen Nahwärmeprojekten informiert und war bei mehreren laufenden Projekten vor Ort. „Das hat sehr geholfen, passende Lösungen für uns zu finden“, sagt Lang, „trotzdem konnten wir nicht alle Fehler vermeiden. Deshalb bleibt mein Rat für andere Wärmeprojekte, ausreichende zeitliche und finanzielle Puffer einzuplanen.“ Zur Finanzierung wurden Förderungen und Zuschüsse des BAFA und der KfW-Bank genutzt.

Der Konsens in der Nahwärmegenossenschaft ist noch immer: „Wir würden es wieder machen.“ Vor allem über die stabilen Preise freuen sich die Anschlussnehmer. „Wir haben die Kalkulation für die Preise auf 20 Jahre angelegt“, erklärt Lang, „da als Energieträger fast ausschließlich Biogas zum Einsatz kommt, können wir die Wärme günstig anbieten.“ Allerdings könnte sich die Preisgestaltung in Zukunft ändern. Die Verträge mit den Biogasbetreibern laufen bis 2030, danach müssen diese prüfen, ob sie ihre Anlagen weiterhin wirtschaftlich betreiben können. „Außerdem wird vor allem Mais als Substrat eingesetzt. Hier wird es schon wegen des Maisdeckels Änderungen geben“, denkt Lang. Doch selbst wenn die Biogasabwärme als Wärmequelle wegfällt, bedeutet das nicht das Aus für das Nahwärmenetz. „Der Energieträger kann recht einfach ausgetauscht werden. Wir können zum Beispiel eine Hackschnitzelheizung bauen und damit das Wärmenetz versorgen“, ist Lang zuversichtlich.

Flexibel bleiben und vernetzen

Die Wärmegenossenschaft hat bereits Erfahrung damit, immer wieder umzudenken und neue Lösungen zu suchen. Bereits bei der Planung war stetig die Einarbeitung in neue Themen und technische Details gefragt. „Was uns sehr geholfen hat, war die gute Unterstützung durch die Gemeinde und das Landratsamt“, blickt Lang zurück, „auch unser Bauleiter und die beteiligten Fachfirmen überzeugten.“ Hindernisse gab es bei der Finanzierung, die jedoch überwunden wurden. Vor allem ein Thema sieht Lang auch heute noch kritisch: „Schade ist, dass der Gesetzgeber damals keinen Rahmen für das Mitverlegen von Glasfaserleitungen oder auch Stromleitungen gesetzt hatte. Wir hätten hier die Tiefbauarbeiten, die wir für das Nahwärmenetz durchgeführt haben, hervorragend nutzen können.“ Seit wenigen Wochen wird nun Glasfaser in der Mühläckersiedlung bis in die Häuser verlegt. Generell seien die regulatorischen Anforderungen sehr hoch, oft ohne transparent zu erklären, wozu diese nötig sind.

Gegenseitige Verlässlichkeit sowie das Nutzen von Wissen und Verbindungen in alle Richtungen seien die Basis für die erfolgreiche Umsetzung des Nahwärmeprojekts gewesen. Die Genossenschaft sei auch gerne bereit, gesammelte Erfahrungen an Nahwärme-Interessierte weiterzugeben: „Die meisten Konzepte sind zwar nicht eins zu eins übertragbar, aber der Austausch ist wichtig. Als Nahwärme Burggrumbach eG geben wir gerne Tipps für andere angehende Wärmegenossenschaften.“


Mehr zu unserer Kampagne "WärmeChancen" und weitere  spannende Projekte zu Sanierung, Heizungstausch und Wärmenetzen finden Sie in der Kampagnenübersicht.

Aufgefräster Straßenbelag Für das Verlegen der Wärmeleitungen waren Tiefbauarbeiten nötig Pumpen in der Heizzentrale, links: Doppelpumpe zur Siedlung, rechts: Pumpen zu den Lieferanten
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