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Langer Atem für den Moorschutz

Projekte der Allgäuer Moorallianz

Blick in das Seemoos vom Moorerlebnisweg im Seemoos in Oy-Mittelberg
Blick in das Seemoos vom Moorerlebnisweg im Seemoos in Oy-Mittelberg
© Thomas Gretler
Argus-Bläulinge auf dem Fruchtstand eines Wollgrases Bunte Streuwiese mit typischer Niedermoorvegetation wie z.B. Europäische Troll-blume und Sibirische Schwertlilie Der seltene und stark gefährdete Moor-Klee (Trifolium spadiceum L)

Für die Allgäuer Moorallianz ist Moorschutz eine Gemeinwohlleistung, denn Klimaschutz, Artenschutz und Klimaanpassung betreffen jede und jeden von uns. Diese Ökosystemleistungen wie verbesserte Wasserqualität, Wasserregulation oder Hochwasserschutz lassen sich jedoch monetär kaum berechnen. Deshalb ist die ausführliche Information und Sensibilisierung der Bevölkerung und aller betroffenen Parteien wie Landwirte und Flächeneigentümer für den Erfolg von Moorschutz-Projekten entscheidend. So kann langfristig eine Vernetzung zwischen den Akteuren und Akzeptanz für die Maßnahmen geschaffen werden.

Gesamtblick auf eine vielfältige Landschaft

Im Allgäu finden sich sehr vielfältige Moorlandschaften auf verschiedenen Höhenstufen bis in die Alpen hinein. Über die Jahrtausende konnten nach dem Rückzug der Gletscher und aufgrund der hohen Niederschläge Moore in der Region wachsen. Neben Hochmooren gibt es auch Übergangs- und Niedermoore, die in Form von Streu- und Nasswiesen als extensiv genutzte Flächen unsere Kulturlandschaft prägen. Ein Großteil der Moore wurde jedoch durch Entwässerung und Umwandlung, z.B. in Wirtschaftswälder oder Intensivgrünland beeinträchtigt und oft irreversibel geschädigt. Deshalb wurde bereits 2007 die Allgäuer Moorallianz als Arbeitsgemeinschaft von drei Landkreisen und zwei kreisfreien Städten gegründet. Was zunächst mit wenigen kleinen Projekten begann, war die Basis für das in 2009 gestartete Naturschutzgroßprojekt. Den Beteiligten wurde nämlich schnell klar, dass weitläufige Maßnahmen nötig sind. Beim Bundeswettbewerb „idee.natur“ des Bundesumweltministeriums und des Bundesamts für Naturschutz wurde die Allgäuer Moorallianz für die Förderung ihres Projekts ausgewählt.  Im Rahmen der Förderung wurde das Projekt zusätzlich bis 2016 von dem Modellvorhaben „Ländliche Entwicklung“ begleitet, um in der Öffentlichkeit die Wertschöpfung und Akzeptanz für die Naturschutzarbeit zu steigern.

Da die Besitzstrukturen in der Region sehr kleinteilig sind und viele unterschiedliche Eigentümer eingebunden werden müssen, um zusammenhängende Flächen für die Wiedervernässung zu erhalten, lag von Beginn an ein Fokus auf dem Ankauf von Grundstücken. Eine weitere Herausforderung ist, dass Moore sehr vielfältig und damit schwer zu erfassen sind. Um die richtigen Maßnahmen für die Renaturierung zu identifizieren, muss deshalb zunächst die Art und der Grad der Degradierung sowie die Morphologie und Hydrologie des Moorkörpers verstanden werden. Selbst unter Experten gibt es hierfür unterschiedliche Herangehensweisen.

Im Seemoos wurde Moor erlebbar gemacht

Ein Gebiet, in dem die Renaturierung bereits erfolgreich durchgeführt wurde, ist das Seemoos in Oy-Mittelberg. Auf rund 30 Hektar wurde das Moor, das nach dem Zweiten Weltkrieg für den industriellen Torfabbau entwässert wurde, wiedervernässt. Dazu wurden Torfdämme angelegt, die Regenwasser anstauen und so am Ablaufen hindern. Dadurch saugt sich der Moorkörper wie ein Schwamm mit Wasser voll. Um die Bevölkerung und Besucher für die damit wiederhergestellten ökologischen Funktionen zu sensibilisieren, wurde ein Rundweg angelegt. Auf Infotafeln wird zum Beispiel erklärt, wie das Moor als natürliches Rückhaltebecken Wasser speichert, CO2 in Torf einlagert und welche Pflanzen und Tiere zu beobachten sind. Inzwischen haben sich wieder viele Tier- und Pflanzenarten angesiedelt – einige dieser Moorspezialisten sind an anderen Orten nur noch selten zu finden. Manche Arten sind überraschend zurückgekehrt, etwa der Braune Moor-Klee. Das Projektteam nimmt an, dass sogenannte Diasporen – keimungsfähige Pflanzenteile, mit denen sich die Pflanzen ausbreiten können – selbst lange Trockenphasen überstanden haben. Nach der Wiedervernässung konnten diese Diasporen wieder keimen und der Moor-Klee und andere Pflanzenarten ins Moor zurückkehren.

Moorschutz im Allgäu wird weitergehen

Seit mittlerweile 16 Jahren zeigt die Allgäuer Moorallianz, wie erfolgreicher Moorschutz möglich ist. Doch die Umsetzung von Maßnahmen braucht Zeit – umso erfreulicher ist es, dass die Bundesförderung bis Ende 2030 weitergeführt wird. In den nächsten Jahren sollen somit möglichst viele weitere Moorflächen im Allgäu wiedervernässt werden.

 

Weitere Infos und Eindrücke aus dem Projekt gibt es auf der Webseite der Allgäuer Moorallianz.

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