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Vom Pilotprojekt zum Vorbild

Der Markt Kohlberg zeigt, wie kommunale Wärmeplanung gelingt

Zwei Männer und eine Frau stehen vor einer Biogasanlage und schauen auf einen Plan, den sie in der Hand halten.
Bereits seit 20 Jahren versorgt die Biogasanlage von Evi und Klaus Grünbauer ein gut funktionierendes Wärmenetze im Gemeindegebiet.
© Gerhard List
Zwei Männer und eine Frau stehen vor einem Berg mit Hackschnitzeln und sehen sich den Brennstoff an. Ausschnitt des Fragebogens zur Erhebung von Gebäudedaten im Markt Kohlberg. Vier blaue Rechtecke enthalten weißen Textinhalt.

Die ersten Schritte: Gemeinsam ans Ziel

Um das Projekt zu starten, wurde ein Treffen mit der Bayernwerk AG sowie den Gemeinden Weiherhammer und Etzenricht, die zur Verwaltungsgemeinschaft gehören, organisiert. Anschließend präsentierten die Bürgermeister die Ideen in ihren Gremien, was auf positive Resonanz stieß. Da es sich um ein Pilotprojekt von Bayernwerk handelte, waren die Kosten für die Kommunen überschaubar, was die Entscheidung zusätzlich erleichterte. Um das Projekt weiter voranzutreiben und bei der Datenbeschaffung zu unterstützen, wurde Heat Beat als zweiter Dienstleister hinzugezogen.

 Datenerhebung und Bürgerbeteiligung

Ein zentraler Bestandteil der Datenerhebung war die Verteilung eines Fragebogens an alle Haushalte in den Gemeinden, der Informationen zu den Heizungsarten, Sanierungsstand, Verbrauch oder Wohnfläche abfragte. Die Bürgerinnen und Bürger hatten vier Wochen Zeit – der Rücklauf verlief zunächst zäh.

Ein entscheidender Erfolgsfaktor war daher die intensive und kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit über Aushänge, Mitteilungen im Gemeindeblatt oder der Homepage. Individuelle Informationsveranstaltungen in jeder Kommune stärkten das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger. Die hohe Beteiligung in den Marktratssitzungen zeigte, wie wichtig das Thema für die Bevölkerung ist. „Wichtig war, dass Multiplikatoren an den Veranstaltungen teilnehmen. Diese tragen die Idee weiter und betreiben wertvolle Öffentlichkeitsarbeit“, so Gerhard List.

 Herausforderungen meistern und Erfolge feiern

Trotz anfänglicher Schwierigkeiten mit den Fragebögen, wurde eine Rücklaufquote von 38,9 % erreicht - mehr als erwartet! Gerhard List warnt jedoch davor, den Arbeitsaufwand, der von der Verwaltung zu leisten ist, nicht zu unterschätzen, denn viele Aufgaben mussten neben dem Tagesgeschäft bewältigt werden.

 Erfahrungen aus zwei bereits bestehenden Wärmenetzen und das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in ihre Kommune als neutraler Datenerheber waren wertvoll. Alle vier Wochen stattfindende Online-Treffen zwischen den relevanten Akteuren sorgten für einen strukturierten und zielgerichteten Prozess. Das Projekt vereinte verschiedene Akteure: Bauamt, Geschäftsführung, Marktrat, Kaminkehrer und Bürger – alle arbeiteten Hand in Hand. Bei den Großverbrauchern war anfangs mehr Überzeugungsarbeit nötig, letztlich wirkten aber auch sie mit.

Positive Resonanz und Ausblick

Die Rückmeldungen aus der Bürgerschaft waren ermutigend: Rund 70% der Befragten zeigten Interesse an einem Nahwärmenetzanschluss. Das Ergebnis signalisiert auch, dass Engagement und Transparenz Früchte tragen.

Der Markt Kohlberg kann selbst kein Wärmenetz bauen, ist aber offen für Kooperationen mit regionalen Investoren. Ein ortsansässiger Anlagenbetreiber hat bereits Interesse bekundet – ein vielversprechender Schritt in Richtung einer nachhaltigen Wärmeversorgung. Für die Rentabilität werden mindestens 10 bis 15 Haushalte mit entsprechendem Wärmebedarf benötigt. „Dank der frühzeitigen Planung sind wir nun gut gerüstet, um schnell auf Anfragen von Investoren zu reagieren und Chancen für eine zukunftsfähige Wärmeversorgung optimal zu nutzen“, äußert Gerhard List voller Stolz und betont, wie wichtig es ist, offen für neue Möglichkeiten zu sein und sich frühzeitig Gedanken zu machen, um schnell handeln zu können.

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