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Viel Arbeit - doch es lohnt sich für die Dorfgemeinschaft

Bürgersolarpark Neusitz

Schaf vor PV-Anlage
"Ab vom Schuss" neben der Autobahn liegt der genossenschaftliche Bürgersolarpark Neusitz
© Manuel Döhler
Mahd unter PV-Anlage Schafherde vor PV-Anlage

„Unbedingt machen. Es ist richtig und wichtig, etwas für den Klimaschutz und die Energiewende zu tun“, so Manuel Döhler auf die Frage, was er anderen raten würde, die in erneuerbare Energien investieren wollen. Döhler ist Vorstand der Energiegenossenschaft Neusitz und seit knapp zwei Jahren auch erster Bürgermeister der Gemeinde. „Eine Genossenschaft ermöglicht es, dass die Energiewende der Bürgerschaft nützt“, meint Döhler, „was man braucht, ist ein Kümmerer, der die Verantwortung übernimmt und Projekte vorantreibt.“ Das erste Projekt der Genossenschaft Neusitz ist ein Bürgersolarpark, der seit 2018 Strom für 1200 Menschen erzeugt.

Realisierung mit Umwegen

Entwickelt wurde die Idee für den Solarpark beim Energiestammtisch, der sich wiederum während der Erstellung eines gemeindlichen Energiekonzepts fand. Das Energiekonzept wurde vom Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken gefördert und sollte dem Gemeinderat als Entscheidungshilfe für Vorhaben dienen. Schnell kristallisierte sich heraus, dass ein Solarpark in Neusitz realisierbar ist, der in Bürgerhand sein sollte. „Für die Umsetzung hat der Stammtisch passende Akteure gesucht“, erinnert sich Döhler, „so stieß ich zum Projekt.“

Rasch fand sich eine geeignete Fläche für den Solarpark direkt an der Autobahn. „Die Anlage ist ab vom Schuss und kaum sichtbar“, so Döhler, „ringsum wurden Hecken und Obstbäume gepflanzt, um das Landschaftsbild nicht zu beeinträchtigen.“ Auch deshalb sei die Anlage durch die Bevölkerung gut aufgenommen worden. Anders als oft üblich wurde die Genossenschaft erst nach Beginn des Baus gegründet. Zunächst übernahm die Ingenia Projects GmbH & Co. KG aus Crailsheim die Zwischenfinanzierung und erwarb die Photovoltaikanlage. Nach der offiziellen Gründung kaufte die Genossenschaft dann im Dezember 2017 die Anlage wiederum von Ingenia.

Stockender Netzausbau verhindert Erweiterung

Und wie läuft es heute mit dem Bürgersolarpark? „Insgesamt sind wir sehr zufrieden und würden die Anlage wieder bauen“, so Döhler. Durch die hohen Börsenpreise konnte die Genossenschaft mit ihren inzwischen fast 100 Mitgliedern im Jahr 2021 höhere Einnahmen erzielen als erwartet. „Auch technisch läuft die Anlage super“, freut sich Döhler, „aber man muss schon sagen, insgesamt ist es sehr viel Arbeit. Wir dachten, im laufenden Betrieb ist wenig zu tun, allerdings gibt es immer wieder etwas zu optimieren.“ Gerade beschäftigt die Genossenschaft eine Änderung der Regularien im Engpassmanagement, der sogenannte Redispatch 2.0. Ist die Einspeisung ins Stromnetz zu einem bestimmten Zeitpunkt zu hoch, droht ein Netzengpass. Dann darf der Netzbetreiber Anlagen abregeln. Bisher waren davon etwa Windparks oder konventionelle Kraftwerke betroffen, ab 2022 müssen aber auch kleinere Anlagen wie der Solarpark in Neusitz an diesen Ausgleichsprozessen teilnehmen: „Hier haben wir uns externe Hilfe geholt, um den Anforderungen des Netzbetreibers zu entsprechen.“

Netzengpässe sieht Döhler generell als Flaschenhals für den Ausbau der erneuerbaren Energien. „Eigentlich wollten wir die Anlage noch vergrößern, doch es heißt, das Netz sei bereits ausgelastet. Besonders weil wir am Ende des Netzgebietes liegen, fehlen hier Investitionen in den Netzausbau. Wie sollen wir so die Ziele für erneuerbare Energien erreichen?“, wundert sich Döhler. Daneben wünscht er sich höhere Planungssicherheit. Denn wenn sich Regularien oder Förderungen häufig ändern, hindert das Investitionen: „Dann muss wieder umgeplant werden, das kostet Zeit und Geld.“

Für weitere Projekte offen

„Gerade sind keine weiteren Projekte geplant, wir sind aber offen, wenn sich etwas Neues ergibt“, sagt Döhler. Angedacht war ein Nahwärmenetz, das wirtschaftlich aber aufgrund des geringen Anschlussinteresses nicht umsetzbar war. Auch ein eigener Windpark war durch die 10H-Regelung, dichte Bebauung und die Lage im Naturpark Frankenhöhe nicht möglich. Deshalb hat sich die Genossenschaft an einem Windpark in Baden-Württemberg beteiligt, dessen Grenze nur 10 km von Neusitz liegt. „Derzeit wollen wir das Rathaus sanieren“, erzählt Döhler, „vielleicht können wir den Solarpark in ein paar Jahren um einen Speicher erweitern.“ Wie genau es auch weiter geht, in Neusitz bleibt der Klimaschutz ein Thema – mit und für Bürgerinnen und Bürger.


Text: Christian Dany, Miriam Lohmüller

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