Treibhausgasbilanzierung
Klimaschutz sichtbar machen
Bis 2045 soll Bayern klimaneutral sein - ein Ziel, das nur mit gezielten Maßnahmen erreicht werden kann. Viele Kommunen in Bayern haben bereits aktiv Klimaschutzmaßnahmen angestoßen und umgesetzt, doch die Frage ist: Wie machen wir Fortschritte messbar? Und wo liegen die größten Einsparpotenziale?
Die Antwort lautet: Treibhausgasbilanzierung. Klingt kompliziert? Ist aber machbar – und vor allem eine große Chance: Kommunen können ihre Verwaltung und das Gemeindegebiet klimafreundlich gestalten und somit zum Vorbild für die lokale Bevölkerung, Vereine und andere Kommunen werden. Egal ob kleine Landgemeinde oder Großstadt - jede Gemeinde in Bayern kann jetzt konkrete Schritte in Richtung treibhausgasneutrale Zukunft gehen.
Was ist eine Treibhausgasbilanz?
Chancen für Landkommunen
Klimaschutz braucht konkrete Entscheidungshilfen im kommunalpolitischen Alltag, um die Treibhausgasemissionen zielgerichtet zu senken. Die Treibhausgasbilanzierung (THG-Bilanz) ist ein zentrales Steuerungsinstrument im kommunalen Klimaschutz und bildet die Basis für weitere Klimaschutzmaßnahmen.Sie schafft Transparenz, zeigt Handlungsfelder auf und bildet die Grundlage für strategische Entscheidungen. Sie bietet:
- einen Überblick über alle relevanten Emissionsquellen im Gemeindegebiet oder der Kommunalverwaltung
- eine fundierte Basis für Klimaschutzstrategien und die Ableitung konkreter Klimaschutzmaßnahmen daraus
- die Möglichkeit, Fortschritte messbar und sichtbar zu machen
- Transparenz gegenüber Bürgerschaft, Politik, Verwaltung und Fördermittelgebern
Wie häufig die Bilanz aktualisiert wird, entscheidet die Kommune selbst. In der Praxis erfolgt die Fortschreibung meist alle zwei bis drei Jahre mit aktualisierten Verbrauchsdaten und Emissionsfaktoren. So wird sichtbar, ob Maßnahmen greifen – und wo nachgesteuert werden muss. Klimaschutz wird dadurch sichtbar, vergleichbar und steuerbar.
Die THG-Bilanz als Klimaschutz-Monitoringinstrument - weitere Vorteile
Welche Bilanzgrenze ist sinnvoll?
Zu Beginn steht eine grundlegende Entscheidung: Soll die Bilanz die gesamte Gemeinde (Territorialprinzip) oder zunächst nur die Kommunalverwaltung betrachten? Gerade für Landkommunen kann ein schrittweiser Einstieg sinnvoll sein.
THG-Bilanz für die Kommunalverwaltung
- Fuhrpark der Verwaltung
- Beschaffungsprozesse
- Dienstreisen und Geschäftsaktivitäten
- Veranstaltungen
- Umstellung auf Elektrofahrzeuge im Fuhrpark
- Nachhaltige Beschaffung
- Digitalisierung und Einsatz erneuerbarer Energien
Tipp: Wer erste Erfahrungen sammeln möchte, beginnt mit der THG-Bilanz der eigenen Verwaltung und weitet diese später auf das gesamte Gemeindegebiet aus. Die Datenbeschaffung ist meist einfacher, Maßnahmen können schneller umgesetzt und schnelle Erfolge erzielt werden.
THG-Bilanz für das gesamte Gemeindegebiet
- Private Haushalte
- verarbeitendes Gewerbe und Industrie
- Verkehr (öffentlicher und privater)
- Dienstleistungen
- Gewerbe und Handel
- Ausbau nachhaltiger Mobilität
- sparsame Flächennutzung
Tools und Standards – praxisnah einsetzen
Zur Erstellung einer THG-Bilanz stehen verschiedene Werkzeuge zur Verfügung, von Exceltools bis hin zu digitalen Anwendungen:
Bilanzierung nach BISKO
Die BISKO-Methodik (Bilanzierungs-Systematik Kommunal) ist ein anerkannter Standard für die Bilanzerstellung in den nationalen Kommunen. Der BISKO-Ansatz ermöglicht die standardisierte Berechnung von Emissionen und fördert die Einheitlichkeit und Vergleichbarkeit der kommunalen THG-Bilanzen. In der UBA-Kommunalbefragung „Klimaschutz in Kommunen 2023“ gaben fast drei Viertel der befragten Kommunen an, THG-Bilanzen nach BISKO zu erstellen.
Wichtig: BISKO erfasst energiebedingte THG-Emissionen nach dem endenergiebasierten Territorialprinzip. Das bedeutet, dass alle Emissionen innerhalb des Gemeindegebiets auf Ebene der tatsächlichen Verbräuche von Strom, Wärme oder Kraftstoffen durch bspw. private Haushalte oder Handel betrachtet werden - technisch unvermeidbare Emissionen aus Landwirtschaft (z.B. Methan aus Tierhaltung), Abwasser und Abfall (Prozessgase) sowie Teilen aus der Industrie werden nicht berücksichtigt. Eine vollständige Treibhausgasneutralität des Gemeindegebiets wird daher allein durch BISKO nicht erreicht. Verbleibende Emissionen müssen ggf. durch Kompensationsmaßnahmen ausgeglichen werden.
Weitere interessante Fakten zum Klimaschutz in Kommunen finden Sie in der UBA-Kommunalbefragung „Klimaschutz in Kommunen 2023“.
Datengrundlage zur Bilanzierung
Die Qualität der Bilanz hängt von der Datengüte ab:
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A: Primärdaten (z. B. Zählerablesungen, Netzbetreiberdaten)
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B - C: abgeleitete oder regionale Daten
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D: bundesweite Kennwerte
Je besser die Datengrundlage, desto präziser das Ergebnis. Das BISKO-Methodenpapieren enthält unter anderem die jeweils gültigen Emissionsfaktoren.