Wärmeversorgung und schnelles Internet clever kombiniert
Nahwärmenetz in Pfofeld
In Pfofeld im fränkischen Seenland haben die Bürgerinnen und Bürger nicht nur ihre Wärmeversorgung selbst in die Hand genommen und ein Nahwärmenetz gebaut. Auch Highspeed-Internet ist dank des genossenschaftlichen Engagements seit 2017 in Pfofeld verfügbar.
„Niedrige und stabile Kosten für die Wärmeversorgung sind für uns genauso ein Standortfaktor wie schnelles Internet“, erklärt Marco Kleemann, Vorsitzender der Nahwärme Pfofeld eG. Die Pfofelder haben gezeigt, wie sie das selbst umsetzen und dabei noch Synergien nutzen konnten. Heute sind rund 140 Wärmekunden – Wohnhäuser, Gaststätten und öffentliche Gebäude – an das Nahwärmenetz angeschlossen.
Große Zustimmung für Nahwärme im Ort
Die Idee für eine gemeinschaftliche Wärmeversorgung entstand im Kleinen. Im Jahr 2012 hat eine Gruppe von Bürgern, darunter Kleemann, über die gemeinsame Beheizung ihrer Gebäude nachgedacht. Der Bürgermeister stand der Idee aufgeschlossen gegenüber, sodass er das Interesse im gesamten Dorf abfragen wollte. Die Resonanz war groß und im Januar 2015 wurde schließlich die Nahwärme Pfofeld eG durch 100 Bürgerinnen und Bürger gegründet. Die Satzung wurde gemeinsam mit dem Genossenschaftsverband Bayern e.V. entwickelt.
Planung und Umsetzung waren herausfordernd, denn das gesamte Dorf sollte an das Wärmenetz angeschlossen, dabei sechs Wärmeerzeuger eingebunden und 46 Höhenmeter überwunden werden. Dabei sollte die Trasse möglichst kurz und effizient durch das Gelände führen, um die Realisierung günstig zu halten.
Mehrere Wärmequellen für das Wärmenetz
Die Wärme sollte aus der Abwärme von drei Biogasanlagen bzw. den daran angeschlossenen, stromerzeugenden BKHWs bereitgestellt werden. Um auch an extrem kalten Tagen genug Wärme zur Verfügung zu haben, wurde allerdings eine weitere Wärmequelle benötigt. Da bereits viele Haushalte in Pfofeld mit Holz heizten, lag die Nutzung von Hackschnitzeln nahe. Deshalb wurden zwei Hackgutkessel in einem Lagerhaus für die Einbindung ins Wärmenetz geplant.
Die unterschiedlichen Wärmeerzeuger wurden mit einer Kommunikations- und Steuertechnik ausgestattet, um die Wärmeversorgung optimal abzustimmen. Das heißt, zunächst wird die kostengünstige Biogas-Abwärme genutzt und nur wenn nötig, die Hackschnitzelheizung zugeschaltet. Derzeit können so rund vier Fünftel der Heizleistung aus Biogas-Abwärme gedeckt werden.
„Das ganze Dorf ist eine Baustelle“
Diesen Satz konnte man während der Bauarbeiten in Pfofeld häufig hören. „Wir haben die Grabarbeiten für das Nahwärmenetz gleich genutzt, um Leitungen für Highspeed-Internet zu verlegen“, erklärt Kleemann, „wir mussten für die Steuerung des Wärmenetzes sowieso eine Datenleitung mitverlegen.“ Dank dieser Synergien kann sich das Glasfasernetz bereits nach acht Jahren amortisieren. Für den Betrieb schloss sich Pfofeld zunächst mit Nahwärmegenossenschaften der umliegenden Gemeinden zusammen, um einen Internet-Provider zu finden. Zukünftig wird die Tochterfirma der Nahwärme Pfofeld, die 2018 gegründete Fiber Network WUG, auch selbst Tarife anbieten. Daneben baut die Fiber Network WUG inzwischen Glasfasernetze in Zusammenarbeit mit anderen Wärmegenossenschaften So wird die in Pfofeld erfolgreich umgesetzte Kombination aus Nahwärme und Glasfaser in andere Landesteile weitergetragen.