Zum Inhalt springen

Regionalwerk Amberg-Sulzbach

ILE AOVE initiiert Regionalwerksgründung

Steigende Energiepreise, der Klimawandel und die Auswirkungen des Ukrainekriegs haben in den Kommunen der Integrierten ländlichen Entwicklung (ILE) AOVE den Wunsch nach einer nachhaltigen und dezentralen Energieerzeugung verstärkt. Nach einer ersten Begegnung mit dem Konzept des virtuellen Gemeindewerks im Rahmen des Klimaschutznetzwerk entstand im Juli 2022 bei der ILE-Klausurtagung die Idee zur Gründung eines Regionalwerks, angestoßen durch einen Impulsvortrag von Andreas Engl, Gründer der regionalwerke GmbH & Co. KG. Aufbauend auf der langjährigen, erfolgreichen interkommunalen Zusammenarbeit beschlossen die Bürgermeister, die Energiewende verstärkt anzugehen. Als Ergebnis gründeten sieben ILE-Gemeinden Ende 2024 das Regionalwerk Amberg-Sulzbach, um die regionale Energieversorgung gemeinsam zukunftssicher zu gestalten.

Rechtliche Beratung und Projektförderung – AOVE setzt auf Expertise

Von Anfang an wurde anwaltliche Beratung in Anspruch genommen, um rechtliche Fragen zu klären und eine solide Basis für das Projekt zu schaffen. Katja Stiegler, Geschäftsführerin der AOVE, beantragte zudem eine Projektförderung beim zuständigen Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) Oberpfalz, um personelle Unterstützung zur fachlichen Begleitung der Geschäftsplanung zu erhalten. Die Förderzusage war jedoch an das Einholen von Vergleichsangeboten gebunden. Diese Bedingung stellte eine bürokratische Hürde dar, denn die Regionalwerkthematik ein relativ neues Geschäftsfeld ist, in dem Engl federführend ist. „Es war daher nicht sinnvoll, Vergleichsangebote einzuholen“, erinnert sich Stiegler, „das Thema war komplettes Neuland. Jemanden von Beginn an in das Thema einzuarbeiten, um ein Vergleichsangebot zu haben, obwohl es bereits einen Experten gab. Das hatte ausführliche Diskussionen zur Folge.“ Trotz der längeren Abstimmungsprozesse erfolgte schließlich eine 70-prozentige Projektförderung. „Nun treten auch ILEs aus anderen Regierungsbezirken an uns heran, die ebenfalls ein Regionalwerk gründen und auf eine Projektförderung hoffen. Denn letztendlich war es ein Präzedenzfall, der nun auch anderen ILEs als Beispiel dient.“

Sieben Kommunen starten gemeinsam in die Energiezukunft

Bis zur Gründung dauerte es rund 2,5 Jahre. Nach der Konzeptvorstellung folgten Antragstellung und Genehmigung der Fördermittel bis Februar 2023. Anschließend fanden interkommunale Abstimmungsworkshops statt, an denen Verwaltungsmitarbeitende sowie Stadt- und Gemeinderatsmitglieder teilnahmen und jeweils Beitrittsbeschlüsse fassten.

Eine große Herausforderung war die juristische Ausarbeitung der Gesellschaftsform und Vertragsgestaltung. Trotz bestehender Vorlagen erforderte die genaue Formulierung viel Zeit und Engagement. Satzung und Konsortialvertrag wurden schließlich von der Rechtsaufsicht geprüft, was ebenfalls einen längeren Prozess darstellte. Anfang 2024 lagen weitgehend fertige Versionen vor, die interkommunal vorgestellt und in den folgenden Monaten den politischen Gremien zum Beschluss vorgelegt wurden. Im Dezember 2024 erfolgte schließlich die Gründung des Regionalwerks Amberg-Sulzbach zum 01.01.2025.

Entscheidend war die Überzeugungsarbeit bei den Gemeinde- und Stadträten. Manche Bürgermeister waren anfangs skeptisch - vor allem wegen einer früher gescheiterten Bürgerenergiegenossenschaft. Dennoch unterzeichneten sieben von neun Gemeinden den Gründungsvertrag.

Katja Stiegler (Geschäftsführerin) und Doris Beer (Vorständin) stehen geschlossen hinter dem Regionalwerk Amberg-Sulzbach.

Regionalwerk Amberg-Sulzbach setzt auf offene, flexible Zusammenarbeit

Die Gründung des Regionalwerks im Landkreis Amberg-Sulzbach wurde bewusst und aus langjähriger Erfahrung heraus nicht auf Landkreis-Ebene geplant, um den Prozess zu beschleunigen. Stattdessen entschieden sich die beteiligten ILE-Kommunen für ein offenes Konstrukt, das anderen Gemeinden einen späteren Beitritt ermöglicht. Doris Beer, Vorständin des Regionalwerks, rät, im kleineren Rahmen zu starten und dann „gesund zu wachsen“.

Die AOVE bringt als erfahrenes Netzwerk wertvolle Expertise ein und hat sich als Impulsgeber für regionale Projekte bewährt. Mit dem Regionalwerk fungiert die AOVE erneut als Vorreiter für innovative, landkreisweite Projekte.

Vertrauensvolle Zusammenarbeit und positives Feedback

Die interne Abstimmung verlief vertrauensvoll. Der erste Workshop mit Engl und den Gemeindevertretern zeigte das große Potenzial der Region. Die Öffentlichkeitsarbeit geschah bewusst zurückhaltend. Erst nach der Entscheidung für das Regionalwerk wurde die Kommunikation intensiviert, um positive Erfolge darzustellen.

„Uns war wichtig, dass wir das Thema vertraulich behandelten, um negative Diskussionen in öffentlichen Sitzungen zu vermeiden und sicherzustellen, dass das Projekt von Anfang an positiv wahrgenommen wird.“
Katja Stiegler

Bürgerstrom und lokale Energieprojekte im Fokus

Das Regionalwerk will die Energieerzeugung in kommunale Hände legen, Bürgerstrom anbieten und die Wertschöpfung vor Ort halten. Geplant sind Windkraft- und Photovoltaikprojekte mit mindestens 51% kommunaler Beteiligung. Auch Bürgerinnen und Bürger sollen aktiv eingebunden werden, um eine breite Akzeptanz und Unterstützung zu sichern. Zusätzlich wurde die Wärmeplanung interkommunal in Angriff genommen, um Synergien mit bestehenden Energiegenossenschaften zu nutzen. „Die interkommunale Zusammenarbeit ist dabei der Schlüssel zum Erfolg“, betont Bernhard Lindner, 1. Bürgermeister der Marktgemeinde Hahnbach.

Erfahrungen und Ausblick

Die Verantwortlichen des Regionalwerks sehen den Weg als herausfordernd, bleiben aber optimistisch: Die Zusammenarbeit der Kommunen und die Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger sollen zu einer nachhaltigen Energiezukunft führen. Stiegler empfiehlt „frühzeitig über Projekte nachzudenken und die Flächensicherung nicht zu vernachlässigen, während der Gründungsprozess läuft.“ Lindner ergänzt: „Auch die gemeinsame Analyse des regionalen Energiebedarfs und der Potenziale zu Beginn des Projekts ist erfolgsentscheidend“. Weiter betont Verwaltungsratsvorsitzender des Regionalwerks Hermann Böhmer: „Zudem sollte man sich an Best-Practice-Beispielen orientieren und den Austausch mit anderen Regionen suchen. Vernetzung ist entscheidend, um sowohl Erfolge zu sichern und Misserfolge zu vermeiden.“ Doris Beer, Vorständin des Regionalwerks, rät, im kleineren Rahmen zu starten und dann „gesund zu wachsen“.

Datum
27. Mai 2025
Regierungsbezirk
Oberpfalz
Thema
Gemeindewerke