Langfristige Investition in eine klimafreundliche (Erd-) Wärmeversorgung
Kaltes Nahwärmenetz in Königsmoos
Neubauten benötigen nur wenig Wärme. Deshalb genügt für das Beheizen eine geringe Vorlauftemperatur, die über sogenannte kalte Nahwärme durch Erdwärme zur Verfügung gestellt werden kann. Wie das in der Praxis aussieht, zeigen zwei Neubaugebiete in Königsmoos in Oberbayern.
Die beiden Nahwärmenetze werden von der Bürger-Energie-Genossenschaft Neuburg-Schrobenhausen-Aichach-Eichstätt eG (kurz BEG) umgesetzt und betrieben. „Einer unserer ehemaligen Mitarbeiter ist auf den Ansatz der kalten Nahwärme gestoßen. Zur gleichen Zeit wurden in Königsmoos zwei Neubaugebiete mit insgesamt 70 Einfamilienhäusern ausgewiesen“, erzählt Fabian Kaindl, Projektleiter im Bereich Wärmeversorgung bei der BEG. Die Genossenschaft ging also auf die Gemeinde zu, um das Konzept vorzustellen und stieß dort auf Zustimmung.
Versorgung von 40 Wohnhäusern mit Erdwärmesonden
Mit dem Beschluss, die Neubaugebiete über Wärmenetze zu versorgen, konnten die Planungen beginnen. Zur Hälfte finanziert werden sollte das Projekt durch das Förderprogramm Wärmenetzsysteme 4.0 des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), welches auch die Wärmepumpen und Stromerzeugungsanlagen fördert. Inzwischen wurde das Programm als Bundesförderung für effiziente Wärmenetze neu aufgelegt. „Nach einer geologischen Voruntersuchung wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt. Diese ist eine Voraussetzung für die Förderung“, so Kaindl, „dabei wurden verschiedene Ansätze für die Wärmeversorgung verglichen.“ Knapp ein Jahr dauerten die Probebohrungen und Auswertungen, an deren Ende die Entscheidung für ein kaltes Nahwärmenetz mit Erdwärmesonden stand.
Inzwischen ist das Baugebiet „Bgm.-Bitterwolf-Straße“ vollständig erschlossen. Von 40 Einfamilienhäusern werden hier mindestens drei Viertel ans Wärmenetz angeschlossen. Insgesamt wurden 112 Erdwärmesonden in circa 70 m Tiefe am Rande des Wohngebiets verlegt. Jedes angeschlossene Gebäude ist wiederum mit einer Wärmepumpe ausgestattet. „Kosten für das Nahwärmenetz sind in den Erschließungskosten enthalten“, erklärt Kaindl, „wer einen Bauplatz kauft, zahlt also einen Anteil am Netz.“ Wer sich in Königsmoos für einen Anschluss entscheidet, kann über die BAFA-Förderung einen Zuschuss für eine Wärmepumpe und eine Photovoltaik-Anlage erhalten: „Hier hatten wir Glück, denn im neuen Förderprogramm gibt es diese Option nicht mehr. Doch auch ohne Förderung lohnt sich die Investition nach wenigen Jahren.“
Kalte Nahwärme vor allem für Neubauten interessant
„Es wird kein Brennstoff benötigt und das Netz ist dank niedriger Temperatur und Druck sehr effizient, langlebig und wenig störungsanfällig“, zählt Kaindl einige Vorteile auf. Außerdem können Gebäude über das Wärmenetz gekühlt werden. Angesichts von immer mehr Hitzetagen im Sommer ein weiterer Pluspunkt.
„Zu Beginn waren die Bauherren skeptisch“, erinnert sich Kaindl, „das Prinzip war schwierig zu erklären. Außerdem ist die kalte Nahwärme auf die Lebensdauer gerechnet zwar sehr günstig, die Investitionskosten sind jedoch hoch – hier mussten wir erstmal Überzeugungsarbeit leisten.“ Am Ende entschieden sich doch die meisten für einen Anschluss, auch weil Erschließungskosten bereits mit dem Bauplatz bezahlt wurden: „Wer jetzt angeschlossen ist, ist glücklich mit der Entscheidung.“
Frühzeitig planen, Förderungen richtig nutzen
Auch bei manchen Heizungsbauern herrschte Skepsis: „Das ist etwas Neues für die Firmen. Am Ende haben wir zwei junge Heizungsbauer aus der Region gefunden, mit denen wir zusammenarbeiten.“ Eine weitere Herausforderung war, die richtige Förderung zu finden und Förderauflagen zu erfüllen. Viele Förderungen seien auf große oder kleine Netze ausgelegt. „Dabei brauchen wir gerade für Baugebiete im ländlichen Raum eher mittlere Netze, häufig mit einer geringeren Wärmebelegungsdichte“, sagt Kaindl. Die Wärmebelegungsdichte gibt an, wie viel Wärme pro Meter Wärmeleitung und Jahr voraussichtlich abgenommen wird. Da die letztendlich in Königsmoos genutzte Förderung eigentlich für große Wärmenetze gedacht war, waren die Kosten für die Machbarkeitsstudie im Verhältnis zu den weiteren Planungs- und Baukosten sehr hoch: „Gerade bei kleineren Netzen kann es manchmal sogar sinnvoll sein, auf die Förderung zu verzichten.“
Ein Erfolgsfaktor ist die Unterstützung der Gemeinde Königsmoos. „Das ist wichtig, da es immer Kritiker gibt oder zu Verzögerungen kommen kann“, denkt Kaindl. Daneben sei eine frühzeitige Planung ausschlaggebend: „Möchte man eine Förderung beantragen, sollte man etwa ein Jahr für die Machbarkeitsstudie einplanen.“ Außerdem können durch frühe Planung Synergien genutzt werden und die Wärmeleitungen gemeinsam mit Bauarbeiten für Abwasser, Wasserversorgung oder Stromleitungen verlegt werden. Gerade bei kleinen Netzen könne ein Anschlusszwang sinnvoll sein, meint Kaindl: „Damit kann die Finanzierung des Projekts gesichert werden.“