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Auf dem richtigen Weg in Richtung Energieregion

Bürgerenergie Parkstein eG

Im Markt Parkstein in der Oberpfalz mischt seit Januar 2021 eine neue Bürgerenergiegenossenschaft bei der Energiewende mit. Ihr derzeit größtes Projekt ist ein Windpark, der die Region mit regionalem Strom versorgen soll.

„Machen ist wie wollen, nur krasser“, fasst Josef Langgärtner die Motivation der Bürgerenergie Parkstein eG (BEP) zusammen. Langgärtner ist Gründungsmitglied und Vorstandsvorsitzender der BEP. Daneben ist er zweiter Bürgermeister des Markts. „Mit der Kommunalwahl 2020 haben sich die politischen Verhältnisse in Parkstein geändert“, erzählt Langgärtner, „die Kommune wollte nun den Ausbau der erneuerbaren Energien im Gemeindegebiet angehen.“ Als kleine Kommune mit knapp 2.500 Einwohnern hat Parkstein kein eigenes Kommunalunternehmen, welches diese Aufgabe übernehmen könnte. So entstand die Idee, eine Energiegenossenschaft zu gründen: „Wir wollten die Leute vor Ort mitnehmen und es hat sich schnell ein Stamm von etwa 20 Personen zusammengefunden.“ Wegen der Corona-Pandemie konnte die Gründungsversammlung nur online stattfinden. „Das war eine kleine Herausforderung, da die Vorstandswahl geheim sein muss. Wir haben es aber gut hinbekommen“, erinnert sich Langgärtner. Ein großes Plus für die BEP ist die Unterstützung durch die Kommune. Der Bürgermeister und alle vier Fraktionssprecher sind im Aufsichtsrat.

Bei der Gründung half der Genossenschaftsverband Bayern, der Unterlagen zur Verfügung gestellt und bei der Aufstellung des Geschäftsplans geholfen hat: „Für die Gründung sollte man sich unbedingt an den Genossenschaftsverband wenden.“ Inzwischen zählt die BEP 123 Mitglieder, die aus dem Landkreis Neustadt a.d. Waldnaab und den umliegenden Landkreisen kommen. „Es können aber auch Personen beitreten, die nicht hier wohnen, aber einen persönlichen Bezug zur Region haben“, führt Langgärtner aus, „meine Tochter etwa lebt in München und ist trotzdem Mitglied.“

Windenergie als wichtiger Baustein

Der pensionierte Elektroingenieur Langgärtner ist fast Vollzeit mit der Energiegenossenschaft beschäftigt, derzeit vor allem mit der Planung eines Windparks mit drei Windkraftanlagen. „Direkt nach der Gründung der BEP haben wir uns als Genossenschaft die Flächen gesichert“, erklärt Langgärtner. Oft werde erst eine GmbH & Co. KG als Betreibergesellschaft des Windparks gegründet, in Parkstein wird die Genossenschaft die Flächen dagegen später an die Betreibergesellschaft übertragen.

"Wir sind auf dem richtigen Weg für die nachfolgenden Generationen. Das ist, was uns antreibt," Langgärtner

Parkstein war eine der wenigen Kommunen, die trotz noch strenger 10H-Regelung angefangen hat, einen Windpark zu planen. Umso wichtiger war es, die Bevölkerung mitzunehmen: „Im Dezember 2021 gab es einen Bürgerentscheid zum Windpark, der mit 55 % Zustimmung positiv ausfiel.“ Für Langgärtner ein echter Erfolg, denn eine laute Minderheit hatte gegen die Windkraftanlagen mobilisiert. Die BEP hat als Antwort darauf Argumente gegen die Anti-Windkraft-Mythen zusammengestellt und Bürgerinnen und Bürger ausführlich informiert. „Die Gegner sind immer lauter als die Befürworter“, denkt Langgärtner, „doch mittlerweile wächst die Zustimmung für den Windpark.“ Für die Finanzierung wird eine Kooperation zwischen BEP, einer Nachbar-Genossenschaft und einem großen örtlichen Unternehmen angestrebt. „Das Unternehmen könnte über einen Direktvermarktungsvertrag Strom beziehen“, sagt Langgärtner, „für die Bürgerinnen und Bürger möchten wir die Hürde für die Beteiligung geringhalten und den Windpark über Mitgliedsanteile statt Nachrangdarlehen finanzieren.“

Verteilnetz-Ausbau: Schlüssel zur Energiewende 

Die größte Hürde für die Genossenschaft und für die Energiewende im Allgemeinen, sieht Langgärtner in den Verteilnetzen: „Als wir beim Netzbetreiber wegen des Anschlusses für den Windpark angefragt haben, wurde uns ein Einspeisepunkt in 60 km Entfernung vorgeschlagen. Wenn uns keine Alternative geboten wird, werden wir selbst ein Umspannwerk bauen – das ist immer noch günstiger, als eine 60 km lange Leitung zu verlegen.“ Die Verteilnetze müssen dringend ausgebaut werden, so Langgärtner: „Bürgerinnen, Bürger und private Investoren stemmen die Energiewende, aber PV- und Windkraftanlagen können nicht angeschlossen werden, wenn die Netze voll sind.“ Zudem müsse Energy Sharing nach den geltenden EU-Richtlinien umgesetzt und die Geschwindigkeiten von Genehmigungen erhöht werden. „Sonst sind die Ziele der Energiewende unmöglich zu erreichen“, befürchtet Langgärtner.

Auf dem richtigen Weg

Neben der Planung eines Windparks sind bereits zwei PV-Freiflächenanlagen mit einer Gesamtleistung von 13 MWp in Betrieb. Die Kommune steuert den PV-Ausbau mithilfe eines Kriterienkatalogs: „Maximal 20 ha werden im Gemeindegebiet für Freiflächenanlagen ausgewiesen, die jeweils mit mindestens 50 % Bürgerbeteiligung geplant werden müssen.“ Durch die Aussaat von Blühmischungen, die Pflanzung von Sträuchern oder das Aufschütten von Steinhaufen können die PV-Flächen außerdem als wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen dienen.

Ein weiteres Erfolgsprojekt ist die Installation einer PV-Dachanlage auf der örtlichen Grundschule. „Es ist zwar nur eine kleine Anlage, aber für die Außenwirkung sehr wichtig“, denkt Langgärtner, „und wir können die Schule nun mit günstigem Solarstrom für nur 23 ct/kWh versorgen.“

Datum
4. April 2023
Regierungsbezirk
Oberpfalz
Themen
Energie, Windkraft, PV