Steingaden arbeitet an Konzept zur Flächenentsiegelung
Bürgerbeteiligung als zentraler Bestandteil des Projekts
Asphaltierte Plätze, große Parkflächen oder wenig genutzte Wege prägen vielerorts das Ortsbild – auch in der Gemeinde Steingaden. Was im Alltag oft praktisch erscheint, bringt jedoch ökologische Folgen mit sich: Regenwasser kann nicht mehr versickern, Hitze staut sich in den Sommermonaten und wertvoller Boden geht dauerhaft verloren. Besonders in der Alpenregion mit ihrem begrenzten Siedlungsraum gewinnt deshalb ein bewusster Umgang mit Flächen zunehmend an Bedeutung.
Genau hier setzt das vom Bundesumweltministerium geförderte Projekt „Flächenentsiegelung im Alpenraum“ an. Gemeinsam mit dem Planungsbüro ifuplan aus München sowie dem Südtiroler Verein Plattform Land entwickelt die Gemeinde Steingaden derzeit ein Entsiegelungskonzept speziell für ländliche Kommunen.
Entsiegelungskonzept soll Vorbild für andere Kommunen werden
Neben Steingaden ist die Gemeinde Vöran zweite Pilotregion des Projekts. Ziel ist es, praxistaugliche und übertragbare Lösungen zu entwickeln, die künftig auch anderen Gemeinden als Orientierung dienen können. Erste Grundlagen für ein Entsiegelungskonzept in Steingaden wurden bereits erarbeitet. Im nächsten Schritt wurden das lokale Wissen sowie Ideen und Hinweise aus der Bevölkerung eingebunden.
Workshop in Steingaden bringt Ideen aus der Bevölkerung ein
Im Rahmen eines öffentlichen Workshops wurden erste Ideen und Maßnahmen des Entsiegelungskonzepts gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, Gemeinderatsmitgliedern sowie kommunalen Vertreterinnen und Vertretern diskutiert und weiterentwickelt. In Gruppenarbeiten konnten die Teilnehmenden konkrete Ideen bewerten und eigene Vorschläge zur zukünftigen Gestaltung von Flächen in Steingaden einbringen.
Ein fachlicher Impuls beleuchtete zudem die Bedeutung gesunder Böden für Klimaanpassung, Wasserspeicherung und nachhaltige Ortsentwicklung. Ergänzend wurde eine potenzielle Entsiegelungsfläche direkt vor Ort besichtigt. Mithilfe eines Modellbautisches entwickelten die Teilnehmenden anschließend unterschiedliche Nutzungsideen und Gestaltungsvorschläge für das Areal.
Die Ergebnisse wurden gemeinsam mit den aktuellen Planungsansätzen der Gemeinde diskutiert. Einzelne Anregungen aus dem Workshop sollen nun in die weiteren Überlegungen und den Planungsprozess einfließen.
Flächen entsiegeln – Gemeinden klimaresilient gestalten
Entsiegelung bedeutet nicht den pauschalen Rückbau bestehender Flächen. Vielmehr geht es um eine sinnvolle und zukunftsorientierte Umgestaltung in enger Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Bürgerschaft. Gemeinsam soll geprüft werden, an welchen Stellen Flächen wieder geöffnet, begrünt oder multifunktional genutzt werden können. Böden speichern Wasser, sorgen an heißen Tagen für Kühlung, bieten Lebensraum für Pflanzen und Tiere und leisten zugleich einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.
Steingaden ist eine der 14 Mitgliedsgemeinden in der ILE und Schwammregion Auerbergland. Das Konzept zur Flächenentsiegelung in Steingaden stellt einen weiteren wichtigen Impuls für die interkommunalen Themen Wassersensibilität, Klimaanpassung, Innenentwicklung und Flächensparen dar.