Fränkisches Dorf wird umfassend begrünt
Neugestaltung des Straßenraums in Müdesheim
Wer heute durch das unterfränkische Dorf Müdesheim spaziert, dem fallen sicher die vielen Bäume, Büsche und Kletterpflanzen entlang der Hausfassaden auf. Doch der Ort war nicht immer so bunt bepflanzt.
Ausgangslage: Asphalt prägt das Dorfbild
Anfang der 2000er-Jahre waren die Straßen im rund 200 Einwohner zählenden Dorf Müdesheim im Landkreis Main-Spessart weitgehend von Asphaltflächen dominiert. Breite Fahrbahnen bestimmten das Ortsbild und ließen wenig Raum für Grün, Aufenthaltsqualität oder ökologische Funktionen. Mit der Dorferneuerung sollte deshalb eine umfassende Neugestaltung des Straßenraums angegangen werden. Die Gesamtkosten inklusive neuer Straßenbeläge sowie Grünmaßnahmen von knapp 480.000 Euro wurden mit einem Förderbetrag von 140.000 Euro im Rahmen der Dorferneuerung durch das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) Unterfranken unterstützt.
Braucht ein kleines Dorf eine 8 Meter breite Straße?
Im Planungsprozess stellte man sich bewusst eine zentrale Frage: Benötigt ein Dorf mit rund 200 Einwohnern tatsächlich eine bis zu 8 Meter breite Straße?
Die Antwort fiel klar aus: Nein. Statt überdimensionierter Verkehrsflächen entschied man sich für eine verkehrsberuhigte, dorfgerechte Gestaltung. In der Folge wurden große Teile der Asphaltflächen entfernt, Fahrbahnen verschmälert und neu angelegt. Wo es möglich war, wurden Flächen vollständig entsiegelt. Dadurch entstanden neue Grünräume, die mit Bäumen, Sträuchern und Stauden bepflanzt wurden. Diese Maßnahmen werteten das Dorfbild sichtbar auf und schufen gleichzeitig neue Aufenthaltsbereiche für Bewohnerinnen und Bewohner.
Fassadenbegrünung als Gemeinschaftsprojekt
Ein besonderes Augenmerk lag auf der Gestaltung der Fassaden. Gemeinsam mit den Anwohnern wurden an und vor vielen Gebäuden Pflanzflächen angelegt. Die Bewohner beteiligten sich aktiv an der Bepflanzung - unter anderem mit Weinreben, Kletterrosen und Kletterhortensien – und pflegen die Grünflächen bis heute mit großem Engagement. Unterstützt werden sie dabei vom örtlichen Obst- und Gartenbauverein, der das Projekt nachhaltig begleitet.
Zum Zeitpunkt der Umsetzung stand vor allem die Aufwertung des Dorfbilds im Vordergrund. Mittlerweile rückt auch der positive Einfluss auf den Wasserhaushalt in den Fokus. Denn dank der vielen Grünflächen, kann mehr Niederschlagswasser versickern. Dadurch wird nicht nur die Gefahr durch Überschwemmungen reduziert. Versickerndes Wasser trägt auch positiv zu mehr Grundwasserbildung bei.
Erfolgsmodell Schwammdorf: Klimaanpassung in der Praxis
Während zum Zeitpunkt der Umsetzung vor allem die Aufwertung des Dorfbildes im Vordergrund stand, rücken heute die ökologischen Vorteile immer stärker in den Fokus. Müdesheim gilt inzwischen als erfolgreiches Beispiel für ein Schwammdorf.
Durch die vielen entsiegelten und begrünten Flächen kann Niederschlagswasser besser versickern. Das bringt gleich mehrere Vorteile:
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Reduzierung der Überschwemmungsgefahr bei Starkregen
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Entlastung der Kanalisation
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Förderung der Grundwasserneubildung
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Verbesserung des Mikroklimas im Dorf
Fazit: Weniger Asphalt, mehr Zukunft
Die Dorferneuerung in Müdesheim zeigt eindrucksvoll, dass weniger Verkehrsfläche und mehr Grün nicht nur das Ortsbild verschönern, sondern auch einen wichtigen Beitrag zu Klimaanpassung, Hochwasserschutz und Lebensqualität leisten. Die Entscheidung gegen eine überdimensionierte Straße und für ein nachhaltiges Dorfkonzept hat sich langfristig als voller Erfolg erwiesen.