Gewässerrenaturierung der Volkach in Dingolshausen
Naturnaher Bachlauf, mehr Artenvielfalt, besserer Hochwasserschutz
Dingolshausen im Landkreis Schweinfurt zeigt, wie erfolgreich Gewässerrenaturierung und bürgerschaftliches Engagement zusammenwirken können. Die unterfränkische Gemeinde hat im Rahmen der Dorferneuerung die Volkach (Gewässer 3. Ordnung) schrittweise wieder naturnah umgestaltet und damit Ökologie, Landschaftsbild und Hochwasserschutz spürbar verbessert.
Die begradigte Volkach: warum das Gewässer umgebaut wurde
Im Zuge einer Flurbereinigung wurde die Volkach in den 1960er-Jahren begradigt. Ziel war eine schnellere Wasserableitung und die Gewinnung zusätzlicher landwirtschaftlicher Nutzflächen. Die Lauflänge wurde verkürzt, die Sohle vertieft und befestigt. Zudem wurde ein einheitliches Regelprofil geschaffen und die landwirtschaftlichen Flächen bis an die Gewässerkante herangeführt.
Was damals praktisch wirkte, zeigte bald schon deutliche Nebenwirkungen:
Bereits in den 1980er-Jahren wuchs deshalb das Bewusstsein für die ökologischen Folgen. 1987 gründete sich der Verein „Bachpaten“, der sich bis heute um die Volkach kümmert und maßgeblich zur Renaturierung beigetragen hat.
Von der Idee zur Umsetzung
Im Rahmen der Dorferneuerung wurde die Renaturierung zu einem zentralen Projekt. Bereits 1987 sprachen sich Gemeinde und Wasserwirtschaft für den Umbau der Volkach aus. Mit Beginn der Dorferneuerung 1995 startete die Umsetzung gemeinsam mit den Bachpaten, Arbeitskreisen, der Teilnehmergemeinschaft und den Fachbehörden.
So wurde die Volkach renaturiert
Die Renaturierung erfolgte auf 1,4 Kilometern Länge in drei Bauabschnitten. Bauträger war jeweils die Teilnehmergemeinschaft der Dorferneuerung. Ziel war es, die natürliche Gewässerentwicklung wieder zu ermöglichen und zugleich einen ortsnahen Naherholungsraum zu schaffen. Dafür brauchte es vor allem eines: genügend Raum.
Die benötigten Flächen wurden durch konstruktive Verhandlungen mit Grundstückseigentümern sowie Bodenordnungsmaßnahmen des Amts für Ländliche Entwicklung Unterfranken gesichert. Im oberen Gewässerabschnitt wurde ein Freiwilliger Landtausch durchgeführt. So entstanden sechs bis 30 Meter breite Pufferstreifen im öffentlichen Eigentum, die der Volkach genügend Platz lassen, um ihre ökologischen Funktionen wahrzunehmen. Bereits nach Fertigstellung des ersten Bauabschnitts im Jahr 1999 erholte sich die Volkachaue sichtbar. Flora und Fauna fanden wieder geeignete Lebensräume.
Naherholung und Aufenthaltsqualität am Mittellauf
Der renaturierte Mittellauf am Ortsrand verbindet ökologische Aufwertung mit Naherholung, indem dort gezielt ein attraktiver Aufenthaltsbereich für die Bevölkerung geschaffen wurde. Eine Liegewiese und Kneippanlage laden dazu ein, den Bach und die Natur aktiv zu erleben.
Die Ausstattung mit Liegemöglichkeiten wurde über das Regionalbudget der ILE Weinpanorama Steigerwald gefördert und erhöht die Aufenthaltsqualität für alle Generationen.
Das ehemalige Bachbett blieb als Flutmulde erhalten und kann bei langanhaltenden oder starken Niederschlägen zusätzliche Wassermengen aufnehmen.
Weniger Überflutungen am Sportplatz
Im dritten Bauabschnitt stand der Hochwasserschutz im Vordergrund. Vor der Renaturierung kam es im Bereich des nahegelegenen Sportplatzes regelmäßig zu Überschwemmungen bei Starkregenereignissen. Dies hatte auch Auswirkungen auf das jährlich stattfindende Weinfest.
Seit der Umsetzung hat sich die Situation deutlich verbessert. Heute treten Überflutungen deutlich seltener und weniger stark auf. Der größere Gewässerraum und die verbesserten Retentionsmöglichkeiten dämpfen Abflussspitzen wirksam und schützen angrenzende Flächen wirksam.
Mehr Artenvielfalt und bessere Gewässerqualität
Die Wirkung der Maßnahmen ist bis heute sichtbar. Die Volkach verläuft in natürlichen Mäandern durch die Landschaft, bildet gewässertypische Sohl- und Uferstrukturen aus und schafft vielfältige Lebensräume. Durch die extensiv bewirtschafteten Gewässerschutzstreifen gelangen zudem weniger Nährstoffe in das Gewässer. Auch die Landwirtschaft hat dadurch bessere Produktionsbedingungen und weniger Auflagen.
An vielen Stellen hat sich eine artenreiche Flora und Fauna entwickelt und die Artenvielfalt hat deutlich zugenommen. Die Volkach erfüllt wieder wichtige ökologische Funktionen und gilt als gelungenes Beispiel naturnaher Bachrenaturierung.
Beitrag zum Hochwasserschutz
Die Renaturierung stärkt zugleich den vorbeugenden Hochwasserschutz. Der gewundene Bachlauf und größere Gewässerquerschnitt puffern Hochwasserspitzen besser ab. Die naturnahen Uferbereiche verlangsamen den Abfluss und schaffen zusätzliche Retentionsräume bei Starkregen – das Überflutungsrisiko in unterhalb liegenden Bereichen wird reduziert. Die renaturierte Volkach leistet seither einen wichtigen Beitrag zum Hochwasserschutz, zum Erhalt der Auenlandschaft und zur klimaresilienten Entwicklung der Gemeinde.