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Ausbildung trotz ÖPNV-Lücken ermöglichen

AzubiShuttle im Kreis Rhön-Grabfeld

Im Landkreis Rhön-Grabfeld befördert seit 2020 das AzubiShuttle Auszubildende in Kleinbussen auf individuell angepassten Routen zu ihren Ausbildungsbetrieben, sofern diese nicht mit dem bereits bestehenden ÖPNV erreicht werden können. Mit dem Einsatz dieses Shuttles soll dem Fachkräftemangel entgegengewirkt und die wirtschaftliche Attraktivität auf dem Land gestärkt werden.

Der Landkreis Rhön-Grabfeld ist ein stark ländlich geprägt und weist nur begrenzte ÖPNV-Anbindungen auf. Für viele Ausbildungsbetriebe – insbesondere im Handwerk und in peripheren Lagen – ist die Erreichbarkeit ohne eigenes Auto erheblich eingeschränkt. Gleichzeitig verfügen viele Auszubildende weder über einen Führerschein noch über einen eigenen PKW. Dies stellt die Betriebe genauso wie die Azubis und deren Familien vor große Herausforderungen. Denn ist der Ausbildungsort nicht erreichbar, kann ein Ausbildungsverhältnis oft gar nicht erst zustande kommen. „Um diese Versorgungslücke zu schließen, wurde das AzubiShuttle ins Leben gerufen“, berichtet Julia Katzenberger, Koordinatorin für ÖPNV-Projekte am Landratsamt Rhön-Grabfeld. Mit einer Anschubfinanzierung im Rahmen des Förderprojekts „LandMobil – unterwegs in ländlichen Räumen“ des Bundesprogramms Ländliche Entwicklung wurden zunächst vier Fahrzeuge geleast. Die Kleinbusse fahren Auszubildende auf individuell geplanten Routen direkt ihren Ausbildungsbetrieben und zurück – immer dann, wenn keine geeigneten ÖPNV-Verbindungen bestehen.

Ideale Route für jeden Auszubildenden

Das Landratsamt koordiniert die Anmeldungen und prüft im Einzelfall, ob eine Beförderung mit dem AzubiShuttle in Frage kommt. Es wird zunächst geprüft, ob bestehende Bus- oder Bahnverbindungen genutzt werden können. „Manchmal sind passende Verbindungen nicht bekannt. Dann beraten wir erstmal zu einer möglichen ÖPNV-Nutzung“, erklärt Katzenberger, „alle Anfragen für das AzubiShuttle könnten wir aus Kapazitätsgründen gar nicht annehmen.“ Das Angebot kann auch für einzelne Teilstrecken genutzt werden, um ÖPNV-Lücken zu schließen.

Die Routenplanung erfolgt individuell auf Basis eines Kriterienkatalogs. Berücksichtigt werden unter anderem:

„In den letzten Jahren konnten wir es 95 Prozent der Azubis ermöglichen, ihren Ausbildungsplatz elternunabhängig zu erreichen. Bisher haben wir immer eine Lösung gefunden.“

Ein entscheidender Erfolgsfaktor sind die praxisnahen Fahrtzeiten: Die Shuttles verkehren gezielt in den typischen Pendelzeiten von Auszubildenden – morgens zwischen 5:00 Uhr und 8:00 Uhr sowie nachmittags zwischen 15:00 Uhr und 18:00 Uhr. Dadurch wird sichergestellt, dass auch Betriebe mit frühen Arbeitsbeginnzeiten oder längeren Wegen zuverlässig erreicht werden können.

Starke Kooperationen vor Ort

Um im AzubiShuttle mitfahren zu können, bezahlen die Azubis das Deutschlandticket, welches sie einmal im Monat vorzeigen müssen. Seit dem Lehrjahr 2024 wird das Shuttleangebot digital über eine Dispositionssoftware organisiert, sodass die Azubis mit einer App die Möglichkeit haben, Fahrten anzumelden oder abzusagen. Auch die Tourenplanung und Fahrzeugdisposition erfolgt digital, wodurch flexibel auf Veränderungen wie Krankheit, Blockunterricht oder Ausbildungswechsel reagiert werden kann.

Neben der organisatorischen Umsetzung übernimmt das Landratsamt auch die Öffentlichkeitsarbeit. Eine zentrale Rolle spielt dabei die enge Zusammenarbeit mit dem Kreishandwerksmeister. „Diese Kooperation unterstützt das Projekt maßgeblich, denn hier bestehen viele Kontakte zu den Ausbildungsbetrieben.“ Neben regelmäßigen Pressemitteilungen wurden auch Flyer, sowohl für die Auszubildenen als auch für die Betriebe, herausgegeben. Die auffällig gestalteten Shuttle-Fahrzeuge sorgen zusätzlich für hohe Sichtbarkeit im Landkreis.

Projekt läuft ohne Bundesförderung weiter

Obwohl die initiale Bundesförderung ausgelaufen ist und das Projekt derzeit nicht kostendeckend ist, soll das Angebot bis mindestens 2026 fortgeführt werden. Gleichzeitig soll der ÖPNV langfristig im ganzen Landkreis verbessert werden. „Wir stärken mit dem Projekt die Region und die Betriebe“, fasst Katzenberger zusammen, „wir möchten die Jugend in unserem Landkreis halten und die Entscheidung für eine handwerkliche Ausbildung vor Ort erleichtern.“

Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung im ländlichen Raum: Es stärkt regionale Betriebe, verbessert die Mobilität junger Menschen und erhöht die Attraktivität einer Ausbildung vor Ort. Gleichzeitig dient es bereits als Vorbild für andere Regionen, die ähnliche Mobilitätslösungen prüfen.

Datum
3. September 2026
Regierungsbezirk
Unterfranken
Thema
Mobilität