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Interkommunale Zusammenarbeit im Spessart

Wie die Allianz SpessartKraft nachhaltige Mobilität und Klimaschutz fördert

Enge Täler mit steilen Hängen, ausgedehnte Wälder – im Spessart sollen früher Räuber ihr Unwesen getrieben haben, wie es die berühmte Geschichte vom „Wirtshaus im Spessart“ erzählt. Heute steht die Ferien- und Wanderregion vor anderen Herausforderungen: der Tourismus soll weiterentwickelt, die Energiewende vorangebracht und die Innenentwicklung der Dörfer gefördert werden.

Statt auf Kirchturmdenken setzen viele Gemeinden in Unterfranken auf die interkommunale Zusammenarbeit, etwa in der kommunalen Allianz SpessartKraft. Neun Gemeinden in der Region schlossen sich hier im Rahmen der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) im Jahr 2014 zusammen und definierten gemeinsame Handlungsfelder. Symbolisch besiegelt wurde dies durch neun „SpessartKraft-Eichen“: in jeder der Gemeinden wurde eine Traubeneiche gepflanzt.

Bereits im Gründungsjahr bewarben sich die ILE-Zusammenschlüsse SpessartKraft und Südspessart um EFRE-Mittel für ein Mobilitäts- und Nahversorgungskonzept im ländlichen Raum – zunächst ohne Erfolg. Doch die Idee blieb: Das Team setzte auf ein praxisnahes Thema, das wirklich bewegt – die E-Bike-Ladeinfrastruktur.

Flexibel und unabhängig mobil sein

Ziel der Allianz ist es, einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung des Tourismus in der Region zu leisten. Das Projekt „Wald erFahren“ ermöglicht heute eine flächendeckende Ladepunkte für E-Bikes. Inzwischen sind auch die Nachbar-Allianzen Kahlgrund-Spessart und WEstSPEssart sowie einige Einzelgemeinden mit dabei. Die kostenlosen E-Bike-Ladestationen ermöglichen flexible und unabhängige Mobilität mit dem Fahrrad. „Die Ladestationen werden von verschiedenen Gruppen genutzt – Jung und Alt, Familien mit Kindern und Senioren. Das Angebot kommt gut an“, so Alexa Sigmund, eine der Allianzmanagerinnen, „nicht nur der Radtourismus wird dadurch gefördert. Auch viele Einheimische unternehmen am Wochenende Touren.“

Umsetzung und Ausbau

Bereits 2015 entstanden gemeinsam mit den ILEs Kahlgrund-Spessart und WEstSPEssart in 25 Kommunen die ersten 53 E-Bike-Ladestationen. Finanziert wurde das Projekt durch die LEADER-LAGs Main4Eck, Spessart und SpessartRegional sowie durch kommunale Eigenmittel. Der Erfolg führte 2019 zum Ausbau des Netzes um weitere 23 Kommunen. Heute gibt es insgesamt 103 E-Bike-Ladestationen in 50 Kommunen mit jeweils zwei bis vier Anschlüssen. Die Koordination übernimmt der Tourismusverband Spessart-Mainland. Eine interaktive Karte informiert über bestehende und geplante Standorte. Besonders profitieren Orte mit hoher Aufenthaltsqualität wie Cafés oder Gaststätten, wenn sich eine Ladestation direkt vor der Tür befindet.

Wir bekommen weiterhin Anfragen von Gaststätten oder Hotels, die an einer Ladesäule interessiert sind. Wir bauen das Netz also weiter aus.
Alexa Sigmund

Klimaschutz als Zukunftsthema

Neben dem Tourismus fördert die ILE auch die Energiewende. Um Maßnahmen zu ermitteln, wie Kommunen und Haushalte ihre Energiebilanz verbessern können, wurde ein Energiekonzept erstellt. Neben technischen und wirtschaftlichen Aspekten stand vor allem die Einbindung der Bevölkerung im Mittelpunkt. In den Gemeinden fanden ‚EnergieGeladen“-Informationsabende statt, außerdem wurde ein Leitfaden zur Energieeffizienz im eigenen Zuhause veröffentlicht. Von Januar bis August 2024 teilte die Allianz zudem wöchentlich Energiespartipps auf ihren Social-Media-Kanälen. „Auch die kleinen Schritte sind wichtig und wirken, wenn man dranbleibt“, denkt Sigmund. Denn Klimaschutz bleibt ein zentrales Zukunftsthema für Kommunen und Bürgerschaft.

„Leider können wir einige der Maßnahmen derzeit nur schwierig umsetzen“, erklärt Sigmund, „oft liegt die Zuständigkeit nämlich nicht bei uns als SpessartKraft.“ Deshalb seien sie regelmäßig im Austausch mit dem Klimaschutzmanagement der Landkreise: „Das würde ich auch anderen kommunalen Allianzen raten: bei den Landratsämtern gibt es häufig schon Experten, denen wir wiederum aus der Allianz zuarbeiten können. So kann man den Aufbau von Doppelstrukturen vermeiden und die Expertise beider Seiten nutzen.“  

Klimawandel kennt keine Gemeindegrenzen

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Innenentwicklung. Um leerstehende Gebäude, vor allem in den Ortskernen, leichter zu vermieten oder zu verkaufen, gibt es das Kommunale Immobilienportal SpessartKraft. Eigentümer können dort Häuser und Grundstücke kostenlos inserieren. „Mittlerweile melden sich mehr Interessenten als es Angebote gibt“, berichtet Sigmund, „viele Leerstände sind inzwischen saniert und wieder bewohnt.“ Ergänzend haben die Allianzgemeinden eigene Förderprogramme aufgelegt: „Primäres Ziel war die Aufwertung des Ortsbildes, deshalb wurden nur von außen sichtbare Maßnahmen gefördert. Trotzdem konnten so auch Flächen vor der Versiegelung bewahrt werden.“ 

Großes Potenzial für den Klimaschutz sieht Sigmund in der interkommunalen Zusammenarbeit der ILE-Zusammenschlüsse. „Der Klimaschutz wird von allen Beteiligten als wichtiges Thema wahrgenommen, daher wurde das Thema auch verstärkt in unser Entwicklungskonzept aufgenommen.“ m Spessart gilt: Da der Klimawandel nicht an Gemeindegrenzen Halt macht, lässt er sich am besten gemeinsam angehen.

Text: Christian Dany, Miriam Lohmüller

Datum
2. September 2025
Regierungsbezirk
Unterfranken
Themen
Mobilität, Energie, Fahrrad