Innovative Mobilität in Mühldorf a. Inn
Sharing-Angebote in Mühldorf
Das Projekt mümo (Mühldorf mobil) wurde 2020 vom Landkreis Mühldorf a. Inn ins Leben gerufen. Der ÖPNV vor Ort soll durch verschiedene Sharing-Angebote die Mobilität im ländlichen Raum stärken. Das Projekt wurde für drei Jahre von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung gefördert. Dank der Initiative der Kommunen, läuft das Sharing-Angebot „mümo“ seit Anfang 2023 erfolgreich weiter.
Als Teil des ÖPNV-Gesamtkonzepts des Landkreises Mühldorf a. Inn soll der Landkreis in der Fläche mit bedarfsorientierten, neuen Mobilitätsangeboten erschlossen werden. Der gemeinnützige Verein Landmobile übernahm die Leitung des Projekts mümo mit sieben Kommunen (Ampfing, Buchbach, Haag, Neumarkt St. Veit, Oberbergkirchen, Schönberg und Schwindegg). Durch eine Verknüpfung von Sharing-Angeboten, Kooperationen mit Einkaufshäusern und Ärzten und der Einbindung von lokalen Unternehmen soll so gemeinsam die Mobilitätswende im Landkreis angestoßen werden.
Angebote auch für Senioren und Jugendliche
Die teilnehmenden Kommunen stellen Elektroautos, E-Roller, E-Lastenräder und E-Bikes für die Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung. Ein wichtiges Ziel ist die Einbindung von Personengruppen, die keine eigene PKW-Fahrerlaubnis besitzen. Dazu zählen unter anderem Seniorinnen und Senioren sowie Jugendliche. Durch die Bereitstellung von Mikromobilität in Form von Lastenrädern und Rollern können auch diese Zielgruppen (wieder) mobil werden.
Aufbau eines Carsharing-Angebots
Viele Mobilitätskonzepte wie Carsharing sind im städtischen Umfeld schon länger erprobt. Doch für die Umsetzung in ländlichen Räumen sind meistens Anpassungen nötig. In Städten gibt es häufig sogenannte Free-Floating-Angebote. Das heißt, Fahrzeuge können im gesamten Stadtgebiet frei abgestellt und gemietet werden. Für die ländlich geprägten Mühldorfer Kommunen war diese Umsetzung aber schwer realisierbar. „Mit nur einem Fahrzeug je Kommune ist es nicht sinnvoll, ein Free-Floating-Konzept zu testen. Denn wenn dieses eine Fahrzeug nicht vor Ort zur Verfügung steht und Nutzerinnen und Nutzer erstmal in eine andere Kommune müssen, um es abzuholen, ist das nicht benutzerfreundlich“, erklärt Projektleiterin Melanie Buchner, „ein Free-Floating-Konzept macht wahrscheinlich erst Sinn, wenn wir eine größere Fahrzeugflotte vor Ort haben.“ Daher wird für mümo vorerst an ein stationsgebundenes Carsharing angeboten. Die Nutzer können die Fahrzeuge per App spontan buchen oder im Voraus reservieren - Abholung und Abgabe des Fahrzeugs erfolgt also an einem festgelegten Standort.
Zum Projektstart nutzten ausgewählte Testpersonen vorab die Fahrzeuge für zwei Wochen. Während dieser Testphase wurden die Software und die Nutzerleitfäden getestet. Die Nutzer betrieben auch Mundpropaganda für das Projekt in den Gemeinden. „Die Einbindung von Testnutzern stellte sich als Erfolgsfaktor heraus. Aus diesem Grund kann ich diesen Schritt jedem empfehlen“, rät Buchner anderen Kommunen, die sich für den Aufbau eines Carsharing-Angebots interessieren. Innerhalb eines Jahres konnte das Projekt 1.200 private Buchungen, 600 registrierte Nutzer, 70.200 Kilometer Laufleistung und 12.200 Stunden private und dienstliche Nutzung erreichen. Für Projektleiterin Melanie Buchner ein voller Erfolg.
Carsharing in Schwindegg
An der Mobilitätsstation in Schwindegg, direkt vor dem Rathaus der Gemeinde, können Nutzende zwischen einem Auto, Roller und Lastenrad – alle mit Elektroantrieb – wählen. Gebucht werden die Fahrzeuge per App. Das Büro ecb unterstützte die Kommunen und den Landkreis Mühldorf dabei, das Angebot auch nach der Bundesförderung weiterzuführen.
Etwa 30 % der Fahrten des Carsharing-Autos in Schwindegg sind dienstliche Fahrten der Gemeinde: „So kann sich die Kommunen einen separaten Dienstwagen sparen.“ Pro Kommune sind daneben im Durchschnitt 150 Privatpersonen registriert, die das Carsharing schon mindestens einmal genutzt haben. Einige davon buchen das Auto nur wenige Male pro Jahr, andere nutzen das Fahrzeug sogar wöchentlich. „Wenn der TÜV oder das Leasing abläuft, hat sich bereits der ein oder andere dazu entschieden, statt eines neuen Zweitwagens einfach das Carsharing-Auto zu nutzen“, erzählt Felix Weiss, Projektmanager für Mobilität beim Ingenieurbüro ecb. Mit einem Roller und Lastenrad stehen in Schwindegg auch Alternativen zum Auto zur Verfügung: „Besonders bei Müttern mit jungen Kindern ist das Lastenrad beliebt.“
Kleinbus in Oberbergkirchen
In Oberbergkirchen steht in der Ortsmitte des Hauptortes ein Kleinbus als Teil des mümo-Carsharings bereit. „Durch unterschiedliche Nutzergruppen können wir die Auslastung erhöhen“, erklärt Steffi Bauer, Mitarbeiterin der Verwaltungsgemeinschaft Oberbergkirchen, „morgens werden Grundschüler gefahren, vormittags nutzt die Verwaltung den Bus und nachmittags oder am Wochenende steht er für Ausflüge oder Vereine bereit.“ Sportvereine fahren damit etwa zu Auswärtsspielen und einmal pro Monat wird der Kleinbus für Seniorennachmittage genutzt.
Aufgrund zu geringer Nutzerzahlen in Schönberg sowie einem Totalschaden des Carsharingautos in der Gemeinde Ampfing, wurden diese beiden Angebote eingestellt. Alle weiteren Carsharingangebote stehen weiterhin zur Verfügung.